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Presseandacht

Frei geben

 

Frei geben

 

Manchmal sind es fast Gaunerstückchen, über die wir sonntags in den Kirchen nachdenken. Dieses hier erzählt von einem Menschen, der seine Arbeit verlieren wird, weil seinen Arbeitgeber schlichtweg betrogen hat (Lukas 16). Denken Sie nicht, dass er nun zerknirscht über diese Entwicklung der Dinge weint! Nein, nun legt er erst richtig los: Er fälscht Unterschriften, halbiert Schuldscheine… nicht für die eigene Tasche, sondern zur Entlastung der Schuldner seines Arbeitgebers. Zur Freude seiner Mitmenschen.

 

Man könnte ihn loben wegen dieser Betrügereien auf Kosten seines Arbeitgebers. Aber die Bibel erzählt ausdrücklich, dass er es aus reinem Eigennutz tut: Um sich bei seinen Mitmenschen beliebt zu machen und sich ein akzeptables Leben nach dem Rauswurf zu sichern. Wenn Sie mich fragen: Ich fühle förmlich die Schleimschicht auf der Haut, während ich das schreibe.

Doch damit noch nicht genug. Zu all dem ermuntert ihn sein Arbeitgeber mit Nachdruck: ‚Mach dich lieb Kind bei so vielen Menschen wie möglich, und bediene dich gern aus meiner Kasse.‘ Spätestens hier ahnen wir, dass dieser Text zwar von sehr greifbaren Dingen spricht, aber eine weit reichende Wahrheit transportieren will.

 

Im November, noch dazu am Volkstrauertag, könnten wir diese Geschichte beispielsweise als Lebensgeschichte hören: Dass der Mensch nämlich, bevor er aus dem ‚Lebensverhältnis‘ entlassen wird, noch manches regeln und in Ordnung bringen kann: Er kann noch Frieden schließen mit dem Nachbarn, den Kindern. Sie kann ein unbedachtes Wort zurücknehmen. Er kann eine alte Kränkung nicht mehr so wichtig nehmen… Wir Menschen können es jederzeit, erst recht im letzten Moment, gut werden lassen zwischen uns oder mit ‚warmen Händen‘ teilen. Das schafft Frieden und Freunde. Mitnehmen, ganz am Ende, kann ja doch niemand etwas… Und der Herr der Zeit wird es ausdrücklich gutheißen.

 

Pirina Kittel