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Presseandacht

Kräftig utopisch

 

Kräftig

 

Einkommensschwach, sagt man, sei unser Land. Das trifft sicher für viele Menschen zu. Mir fällt eine weitere schwache Seite auf: eine Art utopische Armut. Gefragt nach ihren Träumen, wünschen sich viele Jugendlichen, dass es ihnen einmal so gut gehen möge wie ihren Eltern. Das macht mich kopflos. Denn was immer sich meine Generation im Einzelnen für die eigenen Zukunft wünschte, es war jedenfalls alles andere als so zu leben, wie die eigenen Eltern.

 

Eine ideelle Armut liegt wie eine geistige Lähmung auf vielen Lebensentwürfen. Sie paart sich mit Aggressionen gegen Einwandernde, Andersdenkende überhaupt. Sie lebt sich in diesen Monaten wie eine unbegriffene Wut über eigene Demütigungen aus. Die eigene Hoffnungslosigkeit zerstört die Lebensrechte anderer, noch schwächerer: Wenigstens Draufschlagen, wenigstens für einen Moment zeigen, dass man doch wer ist. Es ist eine dürftige Überlegenheit, mit der man sich besser fühlen kann.

 

Wenn sich Lebensgestaltung an Altbekanntem orientiert, bleibt ein zweifelhafter Stolz auf das, was man immer schon ist: „Hoffentlich wird es mir mal so gut gehen, wie meine Eltern.“ Junge Menschen reduzieren damit die Kraft ihrer eigenen Kreativität und Gedanken auf den ganz kleinen Nenner der elterlichen Wünsche. Wie schade, denke ich.

 

„Vergeblich habe ich mich abgemüht, für nichts und wieder nichts meine Kraft vergeudet“, stellte Jesaja fest. Er sah sich zu seiner Zeit ähnlich herausgefordert. Es ist, scheint’s, keine neue Erfahrung, dass Wünsche offen bleiben. Anders ist, dass der Prophet sich eine gedankliche Kraft und trotzige Weitsicht bewahrt: „Gott hat uns zum Licht für alle Völker gemacht; er wird Recht schaffen“. Das klingt fast etwas großspurig, bisschen utopisch eben. Für mich ist es gerade in dieser geistigen Kraft sehr überzeugend. Sie beharrt auf der Idee von der individuellen Kraft jedes Menschen, die sich nicht begnügen muss mit den begrenzten Erfahrungen, die es immer schon gab.

Pirina Kittel

 

Predigttext am 17. Sonntag nach Trinitatis: Jesaja 49,1-6