Presseandacht

Innehalten

 

Man müsste mal

 

Am Ende der Adventszeit spitzen sich die Dinge zu: Was man noch tun wollte oder eigentlich sollte, was schon längst getan sein müsste und was immer noch auf Erledigung lauert. Kurz vor dem Fest kann man sich der drängenden Ansprüche kaum noch erwehren, Nervosität kulminiert in diesen Tagen der Vorbereitungen und des Schenkens. Es wundert mich nicht, dass manche sich unter solchem Anforderungsdruck einfach nur aus dem Staube machen möchten. Damit es mal anders sein kann: dass man einem gewohnten Adventstrott entkommen kann und auch mal unpünktlich sein darf an den Feiertagen, dass man auch werktags ein bisschen langsam sein darf, dass die überhitzte Betriebsamkeit unserer Tage der Zaubermacht weihnachtlicher Feste weichen kann.

Man müsste gerade in diesen angestrengten Wochen lauschen auf die Klänge und die Regungen der Seele; man müsste in Wiesen und Wäldern dem stillen Ruhen nahe sein oder dem endlosen Rollen der Wellen am Strand. Man müsste sich mal verschwenden dürfen an Düfte und Stille. Und dann die unvergängliche Mitte finden können, um die wir ein Leben lang kreisen.

Doch mit jedem morgendlichen Weckerklingen verpacken wir die heimlichen Wünsche wieder und verschieben sie auf die nächste Gelegenheit. Doch bei Gott gibt es keine schwarze Liste der Mühseligkeiten und Belastungen. Im Gegenteil: Bei Gott trafen sich Menschen an einem einsamen, unansehnlichen Ort, das Kind war da, auch Menschen, die sich das Herz aufwärmten. Nichts war laut und hektisch bei jenem Neugeborenen. Wie damals müsste man mal nur staunen dürfen über das Lebenswunder, in dem Gott sich zeigt.

Vielleicht sind Advent und Weihnachten wirklich lausige Zeiten, um aus modernen Hektikgleisen wegzurollen hin zu den echten, wertvollen Dingen des Lebens. Die Sehnsucht danach, die möge in uns wachbleiben, damit nicht die Konsumtreiber und Zeitklauer gewonnen hätten.

Einen sanften vierten Advent wünscht Ihnen

 

Pirina Kittel